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Apfelwein-ABC

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Äppler, der (m.)
Auch Ebbelwoi, Äppelwoi oder einfach Apfelwein. Das –> Stöffsche, um das es hier geht. Deutlich saurer und schwefeliger als beispielsweise –> Cidre, weshalb er meist mit Mineralwasser gemischt wird (sogenannter „sauer Gespritzer“). Man kann ihn theoretisch auch mit Limonade mischen, das ist aber –> Igitt und verpönt und wird in sehr traditionellen Apfelweinwirtschaften mit Lokalverweis geahndet.
Bembel, der (m.)
Das formschöne tönerne Gefäß, aus dem der köstliche Apfelwein in das zugehörige Glas, das sogenannte „Gerippte“, eingeschenkt wird. Beides Designklassiker, die noch auf ihren internationalen Durchbruch warten. Gibt es in verschiedenen Größen, wobei die jeweilige Bezeichnung (4er-Bembel, 6er-Bembel etc.) grob beschreiben soll, wie viele Gläser Gerippte der jeweilige Bembel enthält. 
Cidre, der (m.)
Ist auch Apfelwein, aber eben nicht aus Frankfurt, weshalb er hier keine Rolle spielt. Der ebenfalls aus Äpfeln gemachte Calvados findet sich hingegen auf den Getränkekarten von Frankfurter Apfelweinwirtschaften, vermutlich aus Gründen internationaler Solidarität, und zwar meist als sogenanntes –> Mispelchen.
Dribbdebach
Das Gegenteil von Hibbdebach: Frankfurt südlich („Dribb de bach“) und nördlich („Hibb de Bach“) des hier als Bach verniedlichten Mains. Dribbedach meint vor allem Sachsenhausen, also das Epizentrum der Apfelweinkultur.
Essen
Wichtig als Grundlage für lange Abende mit vielen Bembeln und Gerippten. Die Frankfurter Apfelwein-Küche ist traditionell, deftig und eher fleischlastig.
Frau Rauscher, die (f.)
Vermutlich fiktives Frankfurter Original. Wurde der Legende nach auf der Gass‘ (Straße) mit einer Kopfverletzung („e Beul am Ei“) gefunden. Obwohl im gleichnamigen Schunkelliedklassiker seit Jahrzehnten behauptet wird, „das klärt die Polizei“, ist bis heute unklar, ob die Ursache für die Verletzung im übermäßigen Apfelwein-Konsum zu suchen ist oder ob es sich um einen Fall häuslicher Gewalt handelt. In Alt-Sachsenhausen gibt es jedenfalls einen Frau Rauscher gewidmeten Brunnen.
Grüne Soße, die (f.)
Frankfurter Nationalgericht. Wird zwingend aus sieben Kräutern (Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch), ansonsten aber von jedem anders gemacht. Wer zuhause nachkochen will, findet die Kräuter täglich frisch abgepackt auf Wochen- und in Supermärkten. (Wer übrigens jemals von anderen Rezepten mit Borretsch und Pimpinelle gehört hat, darf sich gerne in der bembeltour.de-Redaktion melden.)
Handkäs‘, der (m.)
Sauermilchkäse, der so heißt wie er heißt, weil er früher von Hand geformt wurde. So eiweißreich wie fettarm. Wird in der Regel mit Brot und Butter sowie „Musik“ gereicht, was eine launige Umschreibung für ein Dressing mit Essig und Öl und sehr, sehr vielen Zwiebeln ist. Wenn man das nicht mag, kann man den Handkäs‘ aber auch ohne Musik bestellen. Hin und wieder gehört auch Kümmel dazu, aber angeblich nur südlich des Mains (–> Hibbdebach), was aber wohl eher in den Bereich der Legenden gehört.
Hibbdebach
–> Dribbdebach
Igitt
Das schöne und völkerverbindende an Apfelweinkneipen ist, dass hier im Prinzip jeder so sein darf, wie er mag. Alle sitzen auf langen Bänken an Holztischen, arm und reich, schön und hässlich, Frankfurter und Nicht-Frankfurter, womöglich sogar 
–> Offenbacher. Verpönt ist wenig, strenge Benimmregeln gibt es nicht, außer: 1. Kein Süßgespritzter (Apfelwein mit Limo). Und 2. Handkäs‘ wird (aus unbekannten Gründen) nur mit dem Messer gegessen, ohne Gabel. Voll okay hingegen: Bier. Es gibt zwar noch einzelne Traditionalisten, die allenfalls auf diskrete Nachfrage verschämt ein Fläschchen Pils servieren, die meisten Apfelweinwirtschaften führen allerdings inzwischen eine ordentliche Auswahl an Bieren aus der Flasche und vom Fass. Weiß- und Rotwein gibt es ebenfalls nahezu überall, meist allerdings in eher einfacher Qualität.
Jahrgangs-Apfelwein
Gibt es in gut sortierten Fachgeschäften und einzelnen Apfelweinwirtschaften. Spielt in der Praxis aber keine Rolle.
Kraut, das (n.)
Sauerkraut. Beilage zu zahlreichen traditionellen Frankfurter Gerichten, meist in Kombination mit (Kartoffel-)Püree. Hat einen eher piefigen Ruf, ist aber gesund und köstlich.
Leiterchen, das (n.)
Findet sich des Öfteren auf Frankfurter Speisekarten und bezeichnet, wie könnte es anders sein, ein Stück Fleisch, nämlich etwas zartere Rippchen. Weitere möglicherweise erklärungsbedürftige Küchenbegriffe: Schäufelchen (Schulter), Solber (gepökeltes Rindfleisch) und Haspel, was eigentlich ein Werkzeug zum Auf- und Abwickeln von z.B. Seilen ist, hier aber Eisbein meint.
Mispelchen, das (n.)
Ein Glas Calvados mit einer eingelegten Mispel, einer Frucht aus der Familie der Rosengewächse. Wird in Frankfurt traditionell als Digestif gereicht, wobei „traditionell“ hier heißt: seit den 70er Jahren, als dieses Getränk plötzlich auf den Speisekarten Frankfurter Apfelweinkneipen auftauchte. Warum, wieso und weshalb – zu dem Zeitpunkt, an dem eine Runde Mispelchen für alle bestellt wird, spielen solche Fragen in der Regel keine Rolle mehr.
Nicht-alkoholisch
Apfelwein gibt es seit einigen Jahren auch in dieser Form. Man kann natürlich auch einfach Apfelsaft trinken.
Offenbach
Fünftgrößte hessische Stadt, deren Stadtgebiet so mit dem von Frankfurt verwachsen ist, dass sich die Einwohner beider Städte traditionell mit innigster Feindschaft begegnen. Von Apfelweinkneipen in Offenbach ist nichts bekannt. Sollte es sie geben, würde man aber ohnehin nicht hingehen.
Preise
Steigen natürlich, wie auch sonst überall. Im Vergleich mit anderer Gastronomie ist ein Abend in einer Apfelweinwirtschaft aber immer noch ein bodenständiges und preiswertes Vergnügen.
Quitte, die (w.)
Kernobstgewächs, das seit einigen Jahren gemeinsam mit Äpfeln zu Schaumwein verarbeitet wird („Frucht-Secco“). Hier und da auf Getränkekarten zu finden, ist im Apfelwein-Umfeld aber eher neumodisch und selten.
Rindswurst, die (f.)
Eine Brühwurst aus Rindfleisch. Wird traditionell mit Senf und Brot gereicht. In Frankfurt berühmter als die berühmten Frankfurter Würstchen. Bekanntester Hersteller ist die Schlachterei Gref-Völsing im Ostend.
Stöffche, das (n.)
Anderes Wort für die Frankfurter Nationaldroge –> Äppler.
Tief
Bzw. „tief gespritzt“: –> Äppler mit viel Mineralwasser. Äppler mit viel Limonade hingegen heißt: Hausverbot, aber sofort!
Urig
Etwas uneindeutiges deutsches Wort, das sowohl „urtümlich, gemütlich“ als auch „im positiven Sinne seltsam, eigen“ meint. Beschreibt die meisten Frankfurter Apfelweinkneipen somit eigentlich ganz gut. 
Vegetarisch/vegan
Vegetarier finden mit der –> Grünen Soße und –> Handkäs‘ auf jeder Karte gleich mehrere fleischfreie Klassiker. Veganer gehen lieber ins Seven Swans, das weltweit erste vegane Sterne-Restaurant (Vorsicht: Reservierungen sollten ca. ein halbes Jahr im Voraus geplant werden.)
Weltkulturerbe
Ist die Apfelweinkultur noch nicht, steht dafür aber seit 2022 auf der UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes (www.unesco.de/staette/handwerkliche-apfelweinkultur). Das zuständige Kultusministerium im fernen Wiesbaden stellt begeistert fest: „Auch wenn andere Regionen ihren Beitrag zur Apfelweinkultur leisten: Das Stöffche gehört erst in den Bembel und dann ins Gerippte, und all das gehört zu Hessen.“ 
X für ein U
Auch wenn man in Frankfurt bisweilen zu kreativer Übertreibung neigt („Unser David Bowie heißt Heinz Schenk“): Besucher von Außerhalb müssen keine Sorge vor Touristenfallen, Fakes und Abzockerei haben. Vom Besuchermagneten in Sachsenhausen bis zur kleinen Gartenwirtschaft im Vorort: Apfelweinkneipen sind eine durchgängig grundehrliche Angelegenheit.
Yes
Ja, in Apfelweinkneipen wird auch Englisch gesprochen. In einer so internationalen Stadt wie Frankfurt bleibt das nicht aus. Vermutlich haben bereits die ersten Messe-Gäste am Main vor fast tausend Jahren beim Apfelwein zusammengesessen und sich in vielen Sprachen irgendwie verständigt (manches Mobiliar in den Wirtschaften sieht übrigens aus, als würde es noch aus dieser Zeit stammen).
Zeit
Sollte man im Idealfall mitbringen. Bedient wird in den Apfelkneipen zwar schnell und zügig (und meist mit herzhaftem Frankfurter Charme), das heißt aber nicht, dass man schnell wieder gehen sollte. Aber Vorsicht: Apfelwein wird als alkoholisches Getränk von Neulingen gerne unterschützt – an langen Abenden steigt das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen (–> Frau Rauscher).